heute hab ich mal wieder einen wahren Schatz für euch! Auf Youtube gibt es eine Masterclass mit Joel Frahm, die im Januar diesen Jahres aufgezeichnet wurde. Da muss man nicht viel zu sagen. 1,5 Stunden pures Gold, vollgepackt mit Inspiration und Ideen. Da will man sich einfach nur noch irgendwo einschließen und üben, üben, üben.
heute gibt es mal ein kurzes Youtubevideo mit dem Vater des Bossa Nova, Antonio Carlos Jobim. Das Video ist ein Ausschnitt aus der 2009 erschienen DVD Antonio Carlos Jobim - Antonio Brasileiro und zeigt Jobim zusammen mit DEM Baritonsaxophonisten Gerry Mulligan (hier an der Klarinette) in Mulligans New Yorker Wohnung. Eine Kombination, die mich im ersten Moment überraschte, da Mulligan ja nicht gerade für Bossa Nova bekannt ist.
Sie diskutieren u.a. die Kommerzialisierung des Bossa und die dem Bossa innewohnende Philosophie. Außerdem spielen sie One Note Samba. Was mir besonders gut gefällt, ist die Atmosphäre, die diese zwei Meister entstehen lassen. In ihrem Gespräch spiegeln sich gegenseitige Bewunderung, Respekt und die gemeinsame Liebe zur Musik und es wirkt zumindest so, als wären die zwei bescheidenen Herren gute Freunde. Während Jobim Mulligan die letzte Phrase des Lieds beibringt, merkt man, wie sie langsam alles um sich vergessen und in ihre Welt abtauchen. Ein beeindruckendes Stück Geschichte und ein ganz besonderer Einblick in das Leben dieser Musiker.
Es war mal wieder einer dieser Tage. Ich sollte am nächsten Tag bei einem Bigband Konzert aushelfen (Grüße an die Jungs und Mädels der Downtown BigBand aus Hessen an dieser Stelle) und hatte noch kaum Zeit mich vernünftig vorzubereiten. Außerdem warteten jede Menge Solopassagen auf mich. Ich arbeitete mich also durch die Stücke und stieß auf ein Roger Holmes Arrangement zu Blue Skies, das 8 Take Tenorsolo parat hielt. Nach etwas Ausprobieren dachte ich, ich sehe mal nach, was die Profis auf Youtube so an dieser Stelle spielen.
Ich fand dieses Video, das mich vom Hocker haute:
Es gibt so viele tolle Musiker von denen man noch nie gehört hat. Genau so einen hatte ich entdeckt. Die Kunst beim Solieren mit der Bigband im Gegensatz zum Spiel in Combos ist, dass man nur sehr wenig Zeit für ein musikalisches Statement hat. Diese ideal zu nutzen gelingt dem lieben Christophe Allemand hier auf beeindruckende Weise, wie ich finde. Erst setzt er ein entspanntes Statement das so ein klassisches Sonny Stitt-Lick enthält, um dann zum Ende hin nochmal richtig abzudrücken. Sehr cool!
Leider ist der Doubletime-Part an zwei Stellen nicht ganz deutlich zu hören, da sich das Solo da etwas mit den Fills im Hintergrund mischt. Dennoch habe ich das ganze versucht aufzuschreiben und das ist das Ergebnis.
Wie gefällt es euch? Zu viel Doubletime? Technisch beeindruckend und dafür zu wenig melodiös? Genau richtig?
Lasst es mich in den Kommentaren wissen!
Achso, hab dann beim oben erwähnten Konzert schließlich doch was ganz anderes gespielt ;) Trotzdem ein ganz toller Abend.
Hier ein Link zur Konzertkritik, falls es euch interessiert.
Mal was ganz frisches. Letzten Monat erst veröffentlicht und schon hier im Blog.
Chad Lefkowitz-Brown zählt sicherlich zu den "jungen Wilden" in der New Yorker Szene und er versteht zweifellos sein Handwerk. Ich habe schon öfter mal Sachen von ihm transkribiert, da er sehr logische Lines spielt von denen ich sehr viel lerne und die mir eine gute Idee vermitteln, was er wohl geübt hat, damit das am Ende dabei raus kommt.
Hier mal die Transkription des ersten Chorus aus seinem Standard Sessions Video zu Yardbird Suite. Voll von klassischer "Bebop-Language" gibt es allein im ersten Chorus viele coole Dinge zu entdecken und zu lernen. Im ersten A-Teil spielt er beispielsweise wunderschöne Lines entlang von Guide Tones. Man beachte auch die Takte 7, 23 und 25 oder die Takte 12 und 28. Außerdem ist es doch spannend zu sehen, wie er die Idee der Takte 13,14 leicht variiert in den Takten 29,30 wieder aufgreift. Das ist nur ein Teil der Dinge, mit denen man sich hier beschäftigen könnte.
Jetzt nehme ich mir mal die Zeit einige Posts einem ganz besonderen Musiker und wohl meinem größten Saxophonhelden zu widmen.
Auf der Suche nach solistischer Inspiration über den wunderschönen Titel On a Misty Night von Tadd Dameron, stieß ich vor einigen Jahren auf Youtube auf eine Version, die mir nicht nur einen Saxophonisten näher brachte, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört hatte, sondern die meiner Meinung nach das wohl vollkommenste Jazzsolo beinhaltet, das ich bis jetzt kenne. Aber seht/hört selbst!
Ich präsentiere: Joel Frahm spielt On a Misty Night (mein Lieblings-Jazzsolo):
Ich war sofort überwältigt vom Zusammenspiel der Band, wie sehr es vor allem der Saxophonist offensichtlich genießt, wie logisch sich das Solo aufbaut und entfaltet, wie energetisch, wie gefühlvoll. Eine traumhafte Mischung aus kreativen Motiven, brillanter Technik, klassischen Bebopphrasen, unglaublich intensivem Blues ... [Anm. Hier musste gekürzt werden da die Aufzählung sonst unendlich weiter gegangen wäre] ergänzen sich hier meiner Meinung nach perfekt zu einer Geschichte, die ich mir immer und immer wieder anhören will. Ich glaube ich bin abhängig nach diesem Video!
Jetzt aber zur Person hinter dem Solo:
Zur Zeit des Videos wohl noch eher ein Underdog, ist Joel Frahm derzeit einer der gefragtesten New Yorker Saxophonisten und wohl mein größtes Idol. Kaum zu glauben, dass ich durch dieses Video nur zufällig auf ihn gestoßen bin. Ich glaube es hat keinen Tag gedauert, bis ich die Transkription fertig hatte. Seit diesem Moment vor ca. sechs oder sieben Jahren ist viel passiert.
Bild von Yuki Tei Photography
Ich habe nicht nur die Transkription unzählige Male geübt und kann sie immernoch nicht richtig [shit....], sondern ich hatte durch ein paar lustige Zufälle auch die Möglichkeit Joel privat kennenzulernen und über die letzten Jahre immer wieder Zeit mit ihm zu verbringen. Einige Anekdoten werde ich in anderen Posts mit euch teilen. Er ist ein unglaublich liebenswerter, bescheidener und sehr humorvoller Mensch und ich bin stolz, dass ich ihn inzwischen als Freund bezeichnen kann.
Mir ist aufgefallen, dass mittlerweile auch andere das Solo transkribiert haben. Kein Wunder bei den Ideen, dem Feel, den Lines, dem ...
...was wollte ich sagen? Ach ja, also es gibt mehrere Transkriptionen dieses Solos online aber ich lade meine jetzt dennoch hoch. Viel Spaß damit!
bleiben wir an der Westcoast der 50er. Hier ein unheimlich cooles Solo von einer meiner absoluten Lieblingsplatten, Stan Getz and the Oscar Peterson Trio. Ich muss gestehen, dass mir im ersten Moment nicht mal aufgefallen ist, dass die Aufnahme ganz ohne Schlagzeug auskommt. Trotzdem läuft da ein "faszinierender Rhythmus" wie ich meine. Und wer genau hinhört wird merken, dass Stan meiner Meinung ist ;)
Ich habe die Transkription vor gut 10 Jahren im Unterricht machen dürfen. Es folgte eine längere Phase, in der ich mich für meine Verhältnisse recht intensiv mit dem jungen Getz befasst habe. Was er als straight-ahead Player drauf hatte ging im späteren Bossa-Hype etwas vergessen. Trotzdem legendär!
Heute gibt es eine meiner ersten Transkriptionen. Art Peppers Solo über Minor Yours. Zu finden auf der genialen Platte Playboys mit Chet Baker. Kaum zu glauben, wie schön Art teilweise spielt, wo er doch einen großen Teil seines Lebens aufgrund seines Drogenkonsums im Gefängnis verbracht hat.
Ich habe sie zwar das letzte mal als Teenager gelesen, behaupte jetzt aber mal, wer sich für Jazz interessiert und gerne was über das (mitunter ganz schön verkorkste) Leben der Musiker in den 50er an der Westküste der USA erfahren will, sollte auch mal einen Blick in Arts Autobiographie mit dem äußerst ironischen Titel "Straight Life" (auch der Titel eines seiner Stücke) werfen.